Familienstellen - Bewegungen der Seele
Die Therapie von Bert Hellinger auf den Gesetzen der Liebe
Einführung
Mit einer Familienaufstellung nach Bert Hellinger können Sie Einblicke in ihre tief zugrunde liegenden Familienmuster gewinnen. Sie können Lösungen erfahren, die zu einer gesünderen Beziehung innerhalb Ihrer Familie führen. Wenn in einer Familienaufstellung Wahrheit ans Licht kommt, entsteht Frieden und Liebe darf beginnen zu fließen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie einen engen Kontakt zu Ihrer Familie haben oder gar keinen, ob Ihre Verwandten noch am Leben oder bereits tot sind.
Eine Familienaufstellung bezieht sich immer auf ein entscheidendes Ereignis in der Vergangenheit, welches noch nicht abgeschlossen ist. Der Begriff "Bewegungen der Seele" wird in diesem Zusammenhang verwendet, da die eigentliche Arbeit auf der Seelenebene stattfindet. Eine Aufstellung zeigt auf, wie unvollendete Ereignisse der Vergangenheit, die manchmal eine oder mehrere Generationen zurück liegen, weiterhin Einfluss auf Ihr Leben ausüben.
Wenn es die Situation erlaubt, kann das Ereignis aus der Vergangenheit zu einer Vollendung gebracht werden. Das Ergebnis ist, dass die Liebe bewußt wieder in das System hineinfließt. Durch das Ehren der Schicksale aller im System und die Zuordnung eines Platzes, den er oder sie verdient, kann tiefe Versöhnung stattfinden.
Neben dem Familienstellen gibt es noch andere Arten von Aufstellungen. Die Gesetzmäßigkeiten und die Methode sind die Gleichen, jedoch übertragen auf ein anderes System. Beispiele für diese sind Organisationsstellen, Themenstellen sowie Aufstellungen im Zusammenhang mit einer Krankheit. Der Einfachheit wegen werden wir im weiteren Verlauf lediglich den Begriff 'Familienstellen' nutzen.
Wer ist die Zielgruppe für das Familienstellen?
Im Grunde genommen gibt es keine Themen, die man nicht aufstellen kann.
Wenn Sie sich mal umschauen, dann erkennen Sie, da ss unsere gesamte Welt aus Systemen besteht. Gleichzeitig gibt es Themen in der Praxis des Familienstellen, die besondere Aufmerksamkeit abverlangen: Paartherapie, Adoption, Traumatas, (psychiatrische) Erkrankungen und Kriegsbeteiligung.
Bevor Sie sich in ihr erstes Familienstellen hineinbegeben, ist es mehr als ratsam, sich über wichtige Ereignisse in Ihrer Familie zu informieren.
Wie funktioniert das Familienstellen?
In der Regel erfolgt die Aufstellungsarbeit in Gruppen. Der Therapeut fordert Sie zunächst auf, das Problem oder Ihr Thema klar zu formulieren. Darüberhinaus interviewt Sie der Therapeut über die Ihnen bekannten wichtigen Ereignisse. Dies bezieht sich auf Fakten. Beispiele hierfür könnten sein: früh verstorbene Kinder, Abtreibungen, frühere Liebhaber und andere Partner der Eltern. Kriegsbeteiligung oder Mord sind offensichtlich sehr ernst zu nehmende Themen. Bezugnehmend auf Ihr vorgetragenes P roblem, entscheidet der Therapeut, an welchem Teilbereich Ihres Systems angesetzt wird. In einer Familienaufstellung können es Ihre nahen Verwandten wie Vater, Mutter, Bruder oder Schwester und Sie selbst sein.
Aus der Gruppe der Teilnehmer wählen Sie dann Stellvertreter für Ihre Familienmitglieder. Diese fassen Sie an den Schultern und positionieren sie in den Kreis. Lassen Sie sich von Ihrer Intuition leiten, um die Platzierung und die Richtungsweisung der ausgewählten Vertreter zu bestimmen. Die Stellvertreter bekommen Zeit zu beobachten wie sie sich in dieser Position erleben. Das Besondere an dieser Methode ist, dass die Stellvertreter in der Lage sind, die Gefühle, Emotionen und Gedanken Ihrer zu vertretenden Verwandten zu erfahren. Sehr häufig haben diese speziellen Erfahrungen der Stellvertreter auch einen Bezug zu ihrem eigenen Leben.
Der Therapeut beobachtet sehr aufmerksam die Aufstellung selbst, die Haltung der Stellvertreter und wohin ihre Aufmerksamkeit zielt. Um weitere Informationen zu erhalten, richtet der Therapeut Fragen an die Stellvertreter, was sie erfahren. Nicht selten wird ein weiterer Stellvertreter in die Aufstellung hinzu genommen, als Repräsentant für eine entscheidende Person oder ein entscheidendes Ereignis, wie z.B. ein abgetriebenes oder früh verstorbenes Kind oder eine ehemalige(r) Verlobte(r) eines Elternteils.
In vielen Fällen beginnt sich die Familienaufstellung -das System- von selbst an zu bewegen, indem die Vertreter Impulse fühlen und diesen nachgehen. Dabei können unvollendete Themen aus der Vergangenheit zu einem Abschluss finden. Manchmal ist es unerlässlich, dass der Therapeut eingreift. Dies ist notwendig, wenn eine Bewegung stockt oder eine Handlung nicht zum Abschluss findet. Der Therapeut kann die Bewegungen mit sogenannten Problemlösungssätzen unterstützen, indem sie von den Stellvertretern ausgesprochen werden.
Es ist nicht immer möglich, Informationen aus der Familie zu erhalten. In diesem Fall liefert eine Aufstellung häufig Hinweise auf das, was geschehen ist.
Über Bert Hellinger
Bert Hellinger (1925) ist ein deutscher Psychotherapeut, der lange Zeit als Missionar in Südafrika gearbeitet hat. Während dieser Zeit lernte er von den anglikanischen Geistlichen die Wichtigkeit von Dialogen, 'Phänomenologie' und die Bedeutung der individuellen Erfahrung. In den 70er Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und beendete eine psychoanalytische Ausbildung.
Er entdeckt eine ganze Reihe von verschiedenen Therapien und reiste in die Vereinigten Staaten, wo er Primär- und Gestalt-Therapie sowie Transaktionsanalyse studierte. Indem er 'Skripte' analysierte, entdeckte er, dass die Familienmuster über Generationen fortgesetzt werden. Wichtig war die Entdeckung von Ivan Boszormenyi-Nagy's versteckte Loyalitäten und die Wichtigkeit der Balance von Geben und Nehmen.
Durch die Familientherapie kam Bert Hellinger mit den ersten Aufstellungen in Kontakt. Ein Artikel über "the perverse triangle" von Jay Haley, brach te ihn auf die Bedeutung der Familienordnung. Er studierte Hypnotherapie und Neurolinguistische Programmierung (NLP). Darüber hinaus beeinflussen die Provokative Therapie sowie die Festhalttherapie seine Arbeit.
Bert Hellinger lebt heute in Bayern und gibt Workshops in Ländern auf der ganzen Welt.
Die Theorie hinter dem Familienstellen
Die Methode des Familienstellen liegt, wie von Ivan Boszormenyi-Nagy und andere beschrieben, der Systemtheorie zugrunde. Einfach ausgedrückt, besteht ein System aus Systemteilen und deren Beziehungen. Die wichtigsten Beziehungen, die wir haben, sind die Beziehungen innerhalb unserer Familie. In der Familienaufstellung sind demnach die Systemteile die Familienmitglieder.
Der Ausgangspunkt eines Familiensystems besteht aus einem Mann und einer Frau. Kinder können aus ihrer sexuellen Verbindung geboren werden, und dann wiederum eigene Familien gründen. Neben Mann, Frau und Kinder spielen auch (Ur-) Großeltern, Tanten un d Onkeln eine Rolle. Desweiteren gehören auch andere sexuelle Partner zum System, genauso wie diejenigen, die in Bezug auf die Familie Gewinne erhalten oder Verluste erlitten haben.
Laut der Systemtheorie existieren innerhalb des Familiensystems drei "Gesetze der Liebe".
Probleme entstehen, wenn eine oder mehrere dieser Gesetze nicht eingehalten werden. Diese Gesetze sind:
(1) Das Recht der Zugehörigkeit
Wenn jemand, beispielsweise ein Verwandter oder ein alter Liebhaber, ausgeschlossen ist, hat das in der Regel gravierende Folgen. In solch einem Fall wird dieser Platz oft von einem anderen Verwandten in der nächsten Generation besetzt.
(2) Die Ordnung der Liebe
Die Erstgeboren haben eine Vorliebe für die Person, die später geboren ist. Das bedeutet, dass in einer gesunden Situation, die Liebe von den Eltern zu den Kindern fließt und von den älteren Kinder zu den jüngeren.
(3) Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen
Das System sucht nach einem Gleichgewicht. Wenn z.B. jemand benachteiligt wurde, dann wird es erst dann zum Frieden kommen, wenn diese "Schuld" wieder beglichen wird. Eine Ausnahme ist die Eltern-Kind-Beziehung. In dieser Beziehung geben die Eltern und das Kind emfängt.
Weitere Lektüren
Es gibt eine Vielzahl von Büchern und Videos über das Familienstellen. Im Folgenden finden Sie einige Bücherempfehlungen:
Zweierlei Glück von Bert Hellinger mit Gunthard Weber und Hunter Beaumont.
Es ist ein fundamentales Buch über das Familienstellen. Das erste Kapitel beschreibt die zugrundeliegende Theorie, die recht schwierig zu lesen ist, aber der weitere Verlauf gibt viele wichtige Erkenntnisse von Bert Hellinger preis.
Ohne Wurzeln keine Flügel von Berthold Ulsamer.
Leicht zu lesen, gibt einen sehr schönen Eindruck von der Arbeit. Berthold Ulsamer steht Bert Hellinger in diesem Buch sehr kritisch gegenüber, was einerseits natürlich gut ist, manchmal jedoch auch etwas übertrieben.
Images of the Soul(Englisch) von Daan van Kampenhout.
Dieses Buch beschreibt unter anderem die Gemeinsamkeiten des Familienstellens mit schamanischen Ritualen. Daan van Kampenhout hatte zu diesem Thema umfangreiche Übereinstimmungen mit Bert Hellinger, und sein Buch wurde sehr gut angenommen.
